Start Aktuelles Die Prinzessin mit dem Volleyball und der Volleyball-Prinz

Die Prinzessin mit dem Volleyball und der Volleyball-Prinz

Die Prinzessin mit dem Volleyball und der Volleyball-Prinz

Ich saß gerade in der Sporthalle und schrieb die Schöpfungsgeschichte neu. Ein erster grober, ungeschliffener Versuch, den Menschen und seine Stellung im Kosmos neu zu bestimmen. Hatte Max Scheler jemals Volleyball gespielt? Vermutlich nein. Schiller, dieser andauernd kranke Schwächling, sowieso nicht. Und Heidegger? Wohl kaum, aber er war doch durchaus nah dran, dachte ich und sinnierte frei:

„Der Mensch als ein unvermittelt in die Welt Geworfener, nein, besser gesagt, ein Geschlagener. Als ein Sub-jekt, wortwörtlich „unter-worfen“, in diesem Fall den Gesetzen der Schwerkraft, ein schutzlos Ausgelieferter. Mit zittriger Hand von unten, oder mit grober Kelle von oben, schon von Anfang an ungleich behandelt. Der eine zielstrebig, der andere flatterhaft und mancher von vorneherein auf dem falschen Weg gebracht. Zahlreich sind die Möglichkeiten des Scheiterns: Netzhöhe, Ausstellungsfehler, Seitenaus, Übertritte beenden das Da-Sein, bevor es richtig begonnen hat. Manch junger Phönix scheiterte gar an der Decke. Sind Geburtswehen und Netz jedoch erfolgreich überwunden, tritt er, der Mensch gewordene Spielball der Götter, in eine neue Welt ein. Beginnt die Ausmaße zu ahnen, trifft auf unbekanntes Terrain, ist willkommen, wird erkannt, anerkannt und abgewiesen zugleich.“

Ich war nah dran. Ein intellektueller Durchbruch, ein geistiger Höhenflug über den Block etablierter Denkgewohnheiten hinweg auf den Weg zur neuen Erkenntnis,...,.Dann wurde ich jäh gestört. Ein Schluchzen hatte die Sporthalle betreten und mit dem Schluchzen eine hübsche junge Frau.

Hey, du dumme Nuss“, rief ich, „du störst mein Streben nach Erkenntnis.“

Ich bereute meine Worte sofort, denn wie macht- und wertlos ist die Erkenntnis im Vergleich zu den Tränen einer Frau. Doch sie schien auch eine Diva zu sein. Theatralisch warf sie ihre Sporttasche in den Geräteraum und sich selbst heulend auf den Mattenwagen. Aus ihrer rosa Sporttasche fielen, ein rosarotes Trikot, rosarote Sportschuhe, rosarote Knieschoner, rosarote Stirnbänder und rosarote Hygieneartikel. „Hm, die solltest du lieber nur einmal benutzen“, sagte ich, merkte aber sofort, dass das kein gelungener Einstieg ins Gespräch war. Also setzte ich mich zu ihr, um sie zu trösten.

Was ist denn los, kleine Volleyballerina?“, fragte ich. Auch wenn sie nicht wirklich klein war. Von der Größe her, könnte sie durchaus im Mittelblock spielen. Ich nahm ihre Hand, um anhand der Handwurzelknochen abzuschätzen, ob sie noch weiter wachsen würde. Warm lag ihre Hand in meiner. Meine Körperwachstumsbestimmung wurde von ihr jedoch fehlgedeutet. Offensichtlich fasste sie dadurch Vertrauen und begann mir sogleich ihre Geschichte zu erzählen: „Ich war vorhin bei der Zeitfee, sie sollte mir die Zukunft vorhersagen. So sehr möchte ich endlich wißen, wann und wo der Prinß ißt und wie lange er noch braucht, um mich zu finden.“

Ich war überrascht. „Sag, bist du etwa die Prinzessin auf der Erbse?“

Nein“

Die Prinzessin auf dem Tischtennisball?“

Nein“

Die Prinzessin auf dem Medizinball?“

Sie sah mich angewidert an. „Sehe ich etwa so aus, als würde ich es nicht merken, wenn ein Medißinball unter meinem Hintern liegen würde? Du spinnst wohl, du Kürbiß.“

Das war keine Beleidigung, mein Gesicht sah in diesen Tagen wirklich aus wie ein großer Kürbis. Ich hatte schlecht geschlafen, vielleicht lag es auch am Alkohol.

Nein!“, rief sie stolz. „Ich bin die Prinßeßin mit dem Volleyball. Aber das ist auch irgendwie das blöde. Denn was macht man denn mit so nem Volleyball alleine? Die ganze Zeit gegen die Wand pritßen und baggern? Das habe ich nun faßt 18 Jahre in meinem Leben gemacht, jetzt bin ich faßt volljährig und warte endlich auf den Volleyball-Prinß, der mir von Geburt an versprochen und geweißsagt ist.“

Du meinst `geweissagt´, das kommt von `Wissen´, nicht von der Farbe“, korrigierte ich sie.

Oh, entschuldige meine undeutliche Außprache, das liegt an meiner Zahnspange. Hier die rosarote, ich nehme sie beßer raus, damit man die Geschichte beßer lesen kann. Ist das so besser?“

Oh ja, und ich dachte schon, dass du nicht nur einen Sprachfehler, sondern auch noch furchtbar schlimme Parodontose hättest. Da bin ich ja erleichtert. Ich dachte, dass das sicher der Grund sein würde, warum dein Volleyball-Prinz auf sich warten lässt. Aber das kann es dann ja nicht sein. Also zurück zu deiner Geschichte. Was hat dir denn die Zeitfee Schlimmes vorhergesagt, dass du gar so traurig bist?“

Gar nichts hat sie gesagt. Nur ein bißchen gestottert hat sie.

Aber das ist doch nichts besonderes, die stottert bei ihren Vorhersagen immer ein bißchen. Das ist normal, die Zukunft geht ja auch nur ganz langsam voran.“

Nein, das meine ich nicht, die war von Anfang voll unkonzentriert, sagte nur was wie „PriPriPri“, zugegeben das Wort Prinzessin ist auch schwer für jemanden, der stottert. Dabei hat sie ihre Hände ungeschickt über die Kristallkugel gleiten lassen.“

Und dann?“, nun war ich neugierig geworden.

Ihre Stimme war kaum mehr zu hören. Und sie erbleichte unter ihrer Bräunungscreme. „Doppelberührung“, flüsterte sie.

Oh, mein Gott“, jetzt war ich betroffen. „Deine,..., ich meine eurer beider Zukunft.“

Völlig verhunzt.“ Sie begann laut zu weinen.

Es ist nämlich so, dass der Volleyball-Prinz und die Prinzessin mit dem Volleyball genauso für einander vorherbestimmt waren wie der Aufsteiger für den Schnellangreifer. Die Zeitfee hätte nur vorhersagen sollen, wann es soweit wäre. Aber nun hatte es einen Eingriff in die imaginäre Flugbahn gegeben und ebenso wie ein Blockabpraller überall landen kann, war nun auch der Ausgang des Schicksals unbestimmt geworden.

Manch Leser könnte jetzt natürlich anmerken, dass das vielleicht eben genau das ihr Schicksal sein mag, dass der Eingriff dazugehört, wie die linke Antenne zu der Rechten, sich also in der vermeintlichen Kontraposition der Teile erst der Sinn des Ganzen ergibt. Vielleicht haben sie Recht, vielleicht auch nicht. Die Prinzessin mit dem Volleyball spürte jedenfalls instinktiv, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Für die zu Grunde liegende Metaphysik war sie natürlich viel zu dumm.

Ich nahm erneut Anlauf, um sie zu trösten: „Vielleicht ist es aber auch gar nicht so tragisch, eventuell eröffnen sich dadurch für dich ganz neue Möglichkeiten.“

Du meinst, ich könnte jemand anderes kennenlernen? Vielleicht einen Fußballer?“

Zum Beispiel“

Aber ich möchte nicht intellektuell unterfordert werden.“

Ich sah sie ungläubig an: „Hm, das ist in einem unendlichen Universum theoretisch zwar möglich, aber ziemlich unwahrscheinlich. Außerdem ist nicht einmal sicher, ob sich das Universum wirklich ewig ausdehnen wird. “

Nein“, sie schlug mit ihrer Faust feste auf die Turnmatte. „Nein. Ich will den Volleyball-Prinzen, ich will den Volleyball-Prinzen. Ich will, dass der nach dem Training seine feuchten Knieschonern zu meinen auf die Heizung legt und dass sie zusammen jenes besondere Aroma entfalten, dass zwischen Kerbel, Torf und Minze liegt. Dass sich im Laufe der Tage die Tapete über der Heizung verfärbt und die Nachbarn ausziehen, weil sie es nicht mehr aushalten, wenn wir uns lauthals über die Laufwege der Einbeiner streiten.“

Einbeiner humpeln eher als dass sie Laufen.“

Du musst den Lesern wohl auch jedes Wortspiel in der Geschichte erklären? Besserwisser.“

Entschuldige Prinzessin, du hast Recht. Aber was willst du denn machen? So traurig es mich stimmt, dir die Wahrheit sagen zu müssen, aber es kann durchaus sein, dass der Volleyball-Prinz dich jetzt niemals finden wird. ... Obwohl, naja, das ist gelogen.“

Bei meinen letzten Worten hob sie den Kopf und in ihren von Tränen gezeichneten Augen blitzte Zuversicht auf. „Du meinst, es gibt Hoffnung, dass er mich doch findet?“

Ach quatsch, nein, das nicht. Gelogen war vielmehr als ich meinte, dass es mich traurig stimmt, dir das sagen zu müssen. Aber das heißt nicht, dass du mir gleichgültig bist, ich habe nur eine ganze Packung Antidepressiva geschluckt.“

Doch die Zuversicht hatte die Volleyball-Prinzessin infiziert. Sie sprang vom Mattenwagen herunter und stand plötzlich sehr stolz und stark vor mir. „Wenn er mich nicht findet, dann werde ich ihn finde. Nichts und niemand wird mich aufhalten. Nichts und niemand kann eine Volleyballerina aufhalten.“

Oha, dachte ich beeindruckt, da sieht man schon eine zukünftige Tie-Break-Königin durchscheinen.

Naja, dann viel Erfolg, machs gut und grüß mir deinen Prinzen.“

Ich drehte mich um, um ein paar Klimmzüge am Stufenbarren zumachen, entschied mich dann aber doch für ein paar tiefe Atemzüge auf dem Trampolin. Da ich nur noch einen Lungenflügel hatte, war dies anstrengend genug. Immerhin hatte ich so die Hände frei, um mir eine Zigarette anzuzünden.

Ich werde ihn finden, und du hilfst mir dabei“, hörte ich sie hinter mir sagen.

Vielleicht hätte ich ablehnen sollen. Andererseits, wer kann einer richtigen Prinzessin schon einen Wunsch abschlagen. Also verließen wir eine halbe Stunde später die Halle. Während ich zehn Minuten duschen war, hatte sie sich 30 Minuten lang mit verschiedenen Duftstoffen eingesprüht. Mit dem Geruch sämtlicher Parfümerien der weiten Welt im Gepäck machten wir uns auf die Reise.

Ich schlug vor, dass Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, und den Volleyball-Prinz zu aller erst auf den Malediven oder wenigstens auf den Balearen zu suchen. Ich sagte ihr, wenn man nicht weiß, wo jemand ist, kann man auch an den schönen Stränden der Welt mit der Suche beginnen. Aber die Prinzessin mit dem Volleyball verfolgte andere Pläne. Sie dachte nämlich, dass der Volleyball-Prinz dort sein müsse, wo sie niemals hinkäme, und dieser Logik folgend flogen wir als erstes zum Mond. Auf dem langen Weg durchs All sang ich für sie die größten Hits von ABBA, wobei sie mein musikalisches Talent sofort erkannte. Ihr strenger Blick sagte mir: Du hast eine Gabe, die du nicht nutzt.

Hallo ist hier jemand?“, rief sie verzweifelt als wir schließlich auf dem Mond gelandet waren.

Natürlich nicht, du dumme Nuss, der Mond ist unbewohnt. Das weiß doch jeder“, keuchte ich leise, denn mit meiner halben Lunge bekam ich hier oben kaum Luft. Aber die Prinzessin hörte mich nicht mehr; sie war schon außer Hörweite gesprungen. Ich eilte ihr so schnell es ging hinterher. Das heißt so schnell mein Holzbein es mir ermöglichte. Es war eine alte Kriegsverletzung aus meiner Zeit in Vietnam, aber das wird den meisten frisch geschlüpften Leseküken hier nichts mehr sagen. Daher eine kurz Einblendung aus Wikipedia:

Nach einiger Zeit hatte ich die Prinzessin eingeholt. Ich sah sie wie eine federleichte Elfe durch die Mondlandschaft springen. Sie sprang höher als jemals zuvor und sie jauchzte vor Glück. „Sprungaufschlag, perfekte Annahme, Sprungzuspiel, Hinterfeldangriff, Hechtbagger, …, schau her, du häßlicher Kürbis, schau her, wie hoch ich springen kann. Blockfrei, blockfrei, juchhe, was macht das Spaß.“ Ich muss zugeben, es erfreute mich sie so zusehen. Spring, meine Volleyballerina, dachte ich, spring, spring hinein in die Glückseligkeit. Natürlich hatte ich Nietzsche gelesen und wusste, dass solche Gefühle für andere nur ein mangelhafter und erbärmlicher Ersatz für die unerfüllte Liebe zu sich selbst waren. Aber naja, ich war nachsichtig und verzeihte mir diese Schwäche. Außerdem: Was hatten Nietzsche und ich schon gemeinsam? Mal abgesehen von der Syphilis. Als sie so vor sich her sprang und ich meinen Gedanken nachging, hatten wir kurzzeitig völlig vergessen, weshalb wir auf den Mond gelandet waren. Da wurden wir durch eine dröhnende Stimme aufgeschreckt.

Wer seid ihr? Was wollt ihr hier?“

Die Worte waren deutlich zu hören, aber es war niemand zu sehen. Wir schauten uns ratlos an.

Wer seid ihr? Was wollt ihr hier?“ dröhnte es ein zweites Mal dumpf, also stellten wir uns der unsichtbaren Stimme vor und erklärten ihr, dass wir den Volleyball-Prinzen suchen würden.

Der ist nicht hier. Hier ist niemand außer mir. Und Besuch bekomme ich ohnehin nur noch sehr selten.“

„Okay danke, und wer bist du?“

Ich bin der Mann im Mond, wer soll ich auch sonst sein?“

„Krass, und wie bist du da rein gekommen“, fragte die Prinzessin.

Das war eine Reihe von unglücklichen Zufällen. Das glaubt mir niemand, wenn ich das erzähle. Aber ehrlich gesagt, hat vor euch auch noch niemand danach gefragt. Am Anfang wollte ich eigentlich nur das Klo reinigen, aber dann ergab eins das andere. Dabei habe ich nämlich...“

Es schien ihm gut zu tun, mit jemandem darüber reden zu können, aber wir hörten ihm schon nicht mehr zu. Wir hatten wichtigeres zu erledigen, wir mussten schließlich den Volleyball-Prinzen suchen und setzten daher unsere Reise fort. Wir kehrten zurück zur Erde, genauer gesagt nach London, wo uns der beste Detektiv der Welt bei der Suche helfen sollte.

Baker Street 221b. Hier muss er wohnen.“

Ich habe Hunger. In diesem Provinznest wird es doch wenigstens eine Bäckerei geben?“ Die Prinzessin nervte schon die ganze Zeit. Zum Glück wusste ich, wie man mit quängelnden Frauen umging und stellte mein Hörgerät leiser.

Da drüben ist Kamps“, rief sie, aber da ich mein Hörgerät ausgeschaltet hatte, bemerkte ich zu spät, als sie für ein paar Minuten in die Bäckerei verschwand.

Ich weiß, dass viele Leser die Ausgestaltung von solchen Alltagsszenarien gerne lesen, weil sie dem Text Authentizität verleihen und die Identifikation mit den Akteuren erleichtern. Daher schildere ich die Episode, auch wenn ich selbst nicht dabei war. Der Kauf des Backwerks gestaltete sich nämlich nicht ganz einfach, weil sie keine englischen Pfund dabei hatte und die Bäckerreifachverkäuferin nach dem Brexit keine Euros mehr annehmen wollte. Mit 17 besaß die Prinzessin natürlich auch noch keine Kreditkarte – und wenn doch hätte sie ihr ganz Geld für Schmuck ausgegeben. Aber dann kam Rod Stewart vorbei, oder ein Rod Stewart-Double, das ihm sehr ähnlich sah. So ähnlich, dass er mit Imitations-Auftritten sehr reich geworden war, zumindest so reich, dass er der Prinzessin mit dem Volleyball das Backwerk spendierte.

Wenig später saßen wir dann mit Sherlock Holmes und Dr. Watson auf dem Kanapee und tranken Tee. Holmes blickte streng, weil ihm die Prinzessin auf dem Teppich krümelte. Ich hatte zwischenzeitlich mit geübten Griff mein Hörgerät wieder eingeschaltet. Es war ein „Resound Linx 2 Square“, ich war mit dem Modell sehr zufrieden.

Kombiniere, Sie suchen den Prinzen, wissen, aber noch nicht, wo er ist? Sonst würden Sie ihn ja nicht suchen.“ Er kaute nachdenklich auf seiner Pfeife herum.

Richtig, er ist verschwunden, eine metaphysischen Doppelberührung einer Zeitfee, war die Ursache.“

Waren Sie schon auf dem Mond?“

Ja.“

Kombiniere, Sie haben ihn dort nicht gefunden, sonst wären Sie nicht hier. Well, dann müssen wir ihn da nicht mehr suchen. Ohnehin können wir eine native Co-Incidence ausschließen. Wenn es eine metaphysische Doppelberühung war, dann wird das Schicksal einen anderen, sinnvollen Ort ausgewählt haben, an den es den Prinzen geschickt hat.“

Der einzige sinnvolle Ort wäre an meiner Seite“, mischte sich die Prinzessin ein. Sie sprach mit vollem Mund, die beiden britischen Gentlemen waren sichtlich geschockt.

Kombiniere, dass das deutsche Erziehungs- und Bildungssystem defizitär ist. Dagegen war Eliza Doolittle ja eine Anstandsdame. Watson, veranlassen Sie bitte, dass das Hausmädchen diesen Teppich desinfizieren wird.“

Dr. Watson nickte und eilte davon.

Was meinen Sie, wo er hin ist?“

Kombiniere mit Blick auf den mir vorliegenden Informationen: ins Erdgeschoss. Dort hat das Hausmädchen eine Kemenate.“

Ich meine den Prinzen.“

Ach so. Das ist nicht eindeutig logisch abzuleiten. Die Deduction lässt mehrere Lösungen offen. Lassen Sie uns überlegen, wo dieser Prinz eine zweite Heimat finden könnte, ohne dass Prinzen dort allzu sehr aufzufallen.“

Das englische Königshaus scheidet folglich aus.“

Of Course. Die Yellow Press hätte schon längst darüber berichtet.“

Dann lutschte er wieder nachdenklich an seiner Pfeife und sagte lange Zeit nichts mehr. Die Prinzessin hatte begonnen ihre Fußnägel zu lackieren und ich stöberte ihn der Bibliothek und fand eine Originalausgabe von David Hume, die meine Aufmerksamkeit erregte.

Irritiert mich etwas, dass Sie Hume lesen, Holmes.“

Ach, dieser Schotte. Das Buch hab ich geschenkt bekommen. Manchmal ist es reiner Zufall, was so in meiner Bibliothek landet. Ich habe es noch nicht gelesen.“

Ach ja, der Zufall. Glauben Sie, dass es Zufall war, dass sich das Schicksal der Prinzessin verändert hat?“

Holmes schaute mich lange und durchdringend an. Dann nahm er bedächtig die Pfeife aus dem Mund und klopfte den Tabak aus. Mir wurde es flau im Magen.

Es gibt keine Zufälle“, sagte er schließlich, „jedes Ereignis ist die Konsequenz der hinführenden Bedingungen. Wenn man alle Informationen kennt, kann man jedes Ereignis exakt vorhersagen.“

Da stand ich nun ratlos. Vor mir saß Holmes, der debil an seiner Pfeife rumkaute wie der Hund von Baskerville an einem Knochen und meine Händen umklammerten die „Untersuchung über den menschlichen Verstand“. Vorhersagen, dachte ich, wir haben ja bei der Zeitfee gesehen, wie gut das klappt. Ich ahnte auf einmal, dass Holmes überhaupt nicht weiterhelfen konnte. Ich warf ihm das Buch zu, woraufhin er sich an seiner Pfeife verschluckte. „Sie sollten es mal lesen“, rief ich als ich mit der Prinzessin im Schlepptau das Zimmer verließ.

...Fortsetzung folgt....

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 29. Januar 2017 um 21:12 Uhr  
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